Wo sich heute in Stuttgart-West der Moltkeplatz befindet, stand noch bis 1966 eine burgartige Infanteriekaserne.
Diese wurde 1886 erbaut und nach dem preußischen Generalfeldmarschall Helmuth Graf von Moltke benannt. Zunächst waren in der Kaserne die Soldaten der württembergischen Armee untergebracht. Nach dem Ende der Monarchie zog dort die Polizei ein. Von 1937 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs waren in dem Gebäude Soldaten der Wehrmacht stationiert.
Im Krieg wurde die Kaserne kaum beschädigt. Daher nutzte man sie als Lagerraum, richtete Werkstätten ein und siedelte dort die städtische Hautklinik an. In dieser mussten sich fortan alle Prostituierten auf ihren Gesundheitszustand untersuchen lassen. Da sie sich anschließend direkt vor Ort ihre Freier suchten, galt die Gegend rund um die ehemalige Kaserne lange als Problemviertel.
In den 1960er-Jahren zeigten sowohl die U.S. Army als auch die Bundeswehr Interesse an dem Bauwerk. Die Stadt Stuttgart ließ die alte Kaserne jedoch noch im selben Jahrzehnt abreißen. Den dadurch frei werdenden Platz wollte man allerdings nicht nach dem Kriegshelden Moltke benennen. Stattdessen entschied man sich, einen anderen Moltke zu ehren. Der Platz wurde daher nach dem Großneffen des Feldmarschalls, Helmuth James Graf von Moltke, benannt – einem Widerstandskämpfer im Zweiten Weltkrieg.

