Vom kleinen Gestüt im Talkessel zur modernen Landeshauptstadt: Stuttgart blickt auf mehr als tausend Jahre bewegte Geschichte zurück. Herzöge, Könige, Industriepioniere, Kriegszerstörung und Wiederaufbau haben das Gesicht der Stadt bis heute geprägt.
Stuttgart entstand nicht an einem großen Fluss oder an einer bedeutenden mittelalterlichen Handelsroute. Die Stadt entwickelte sich in einem geschützten Talkessel, umgeben von Weinbergen und Höhenzügen. Genau diese besondere Lage prägt Stuttgart bis heute.
Vom Gestüt zur Siedlung
Die Ursprünge Stuttgarts werden traditionell mit Herzog Liudolf von Schwaben verbunden. Um die Mitte des 10. Jahrhunderts soll im heutigen Talkessel ein Gestüt angelegt worden sein. Aus dem sogenannten „Stuotgarten“ entwickelte sich im Laufe der Zeit eine Siedlung.
Der Name Stuttgart erinnert bis heute an diesen Ursprung. Auch das Stadtwappen mit dem schwarzen Pferd verweist auf die frühe Bedeutung des Gestüts.
Stuttgart wird Zentrum Württembergs
Im Mittelalter gewann Stuttgart zunehmend an Bedeutung. 1219 wird der Ort erstmals ausdrücklich als Stadt erwähnt. Im 13. Jahrhundert gelangte Stuttgart an die Grafen von Württemberg.
Als Stuttgart im 14. Jahrhundert zur Residenz der württembergischen Herrscher wurde, begann der Aufstieg zum politischen Mittelpunkt des Landes. Das Alte Schloss entwickelte sich aus einer früheren Wasserburg und wurde später zu einer repräsentativen Residenz umgebaut.
Aus der Residenz wird eine königliche Hauptstadt
1806 wurde Württemberg zum Königreich erhoben und Stuttgart zur königlichen Hauptstadt. Rund um das Neue Schloss entstanden repräsentative Plätze, Alleen und öffentliche Gebäude.
Besonders im 19. Jahrhundert veränderte sich das Stadtbild stark. Stuttgart wuchs über seinen alten Stadtkern hinaus. Neue Wohnviertel, Bahnanlagen und öffentliche Einrichtungen entstanden.
Stuttgart entwickelte sich von einer vergleichsweise kleinen Residenzstadt zu einem politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Zentrum Südwestdeutschlands.
Die Stadt des Automobils entsteht
Mit der Industrialisierung begann eine der prägendsten Phasen der Stuttgarter Stadtgeschichte. Unternehmen aus Maschinenbau, Elektrotechnik und Fahrzeugbau ließen sich in Stuttgart und der Region nieder.
Namen wie Gottlieb Daimler, Wilhelm Maybach und später Ferdinand Porsche wurden eng mit der Region verbunden. Stuttgart entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Zentren der deutschen Automobilindustrie.
Diktatur, Verfolgung und Zerstörung
Auch Stuttgart war während der nationalsozialistischen Herrschaft Schauplatz von Entrechtung, Verfolgung und Deportationen. Jüdische Bürgerinnen und Bürger, politische Gegner und weitere verfolgte Gruppen wurden aus dem gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen, vertrieben oder ermordet.
Im Zweiten Weltkrieg wurde Stuttgart durch zahlreiche Luftangriffe schwer zerstört. Besonders die Innenstadt war betroffen. Große Teile des historischen Baubestands gingen verloren.
Wiederaufbau und neues Bundesland
Nach 1945 begann der Wiederaufbau. Viele Gebäude wurden rekonstruiert, andere durch moderne Neubauten ersetzt. Das heutige Stadtbild ist deshalb eine Mischung aus historischen Resten, Wiederaufbauarchitektur und späterer Moderne.
1952 entstand das neue Bundesland Baden-Württemberg. Stuttgart wurde Landeshauptstadt und Sitz von Landtag und Landesregierung.
Tradition, Technik und Lebensqualität
Heute ist Stuttgart eine internationale Wirtschafts- und Kulturmetropole. Automobilindustrie, Forschung, Architektur, Theater, Museen, Weinbau und eine ungewöhnlich grüne Stadtlandschaft prägen das Bild der Landeshauptstadt.
Gleichzeitig sind Spuren der Vergangenheit überall zu entdecken: vom Alten Schloss über die Weißenhofsiedlung bis zu den ehemaligen Industriearealen und den Aussichtspunkten über dem Talkessel.